1. Was ist Kindertagespflege?

Kindertagespflege ist neben der Krippenbetreuung eine gesetzlich anerkannte Betreuungsform

- für Kinder unter drei Jahren

- als ergänzende Betreuung für Kita-Kinder

- als ergänzende Betreuung für Kinder im schulpflichtigen Alter

Seit dem 01.08.2013 gilt der Rechtsanspruch nach § 24 SGB VIII auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege bereits ab dem vollendeten ersten Lebensjahr.

Als familiennahe und auf die individuellen Bedürfnisse von Familien eingehende Kinderbetreuungsform hat die Kindertagespflege immer stärker an Bedeutung gewonnen. Das Wohl der Kinder im Blick, bietet die Kindertagespflege eine zeitliche Flexibilität, die es auch Eltern mit unregelmäßigen Arbeitszeiten ermöglicht, ihre Berufstätigkeit auszuüben. Gerade für Familien mit Kindern unter 3 Jahren stellt sie eine Betreuung und Förderung der Kinder dar, bietet aber ebenso eine Ergänzung zu Kindergarten, Hort und Schule. Bei der Kindertagespflege ist die Bildung und Erziehung in den Familienalltag der Tagesmutter/des Tagesvaters eingebunden.

Das FamilienBüro Region Lüneburg vermittelt Tagespflegepersonen, die eine Qualifizierung entsprechend den Standards des Deutschen Jugendinstitutes absolviert haben.

Tagespflegepersonen haben

- eine Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII vom zuständigen Jugendamt

- eine Erste-Hilfe-Kurs-Bescheinigung

- ein Gesundheitszeugnis

- ein eintragsfreies Führungszeugnis (auch für die weiteren Personen in ihrem Haushalt)

- auf „Kindersicherheit“ geprüfte Räume

Die Pflegeerlaubnis ist max. 5 Jahre gültig und kann danach auf Antrag jeweils verlängert werden.
Tageseltern sind grundsätzlich selbständig tätig.


2. Formen der Kindertagespflege

2.1. Kindertagespflege im Haushalt der Tageseltern

Bei dieser Form betreut die Kindertagespflegeperson die Tageskinder in ihrem eigenen Haushalt oder in angemieteten Räumen. Es dürfen je nach Pflegeerlaubnis maximal 5 Tageskinder zu den eigenen Kindern gleichzeitig betreut werden. In der Kindertagespflege lernt das Tageskind das Leben in einer anderen Familie kennen und erhält durch die “Geschwister auf Zeit“ neue Spielkameraden und Anregungen. In Bezug auf Bildung und Förderung der Kinder ermöglicht die kleine Gruppengröße es, sich intensiv mit ihnen zu beschäftigen und auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen.

2.2. Großtagespflegestelle

In einer Großtagespflegestelle haben sich mehrere Tagespflegepersonen zusammengeschlossen und betreuen bis zu acht Kinder gleichzeitig. Wenn eine der Tagespflegepersonen ausgebildete/r ErzieherIn ist, dürfen bis zu zehn Kinder gleichzeitig betreut werden.

Diese Form der Kindertagespflege kann sowohl in privat genutzten als auch in extra angemieteten Räumen stattfinden.

2.3. Kindertagespflege im Haushalt der Eltern

Kindertagespflegepersonen im Haushalt der Eltern bilden eher die Ausnahme. Die Betreuung eines oder mehrerer Kinder findet hierbei im Haushalt der Eltern statt. Diese Form der Kindertagespflege bietet sich besonders für Eltern an, die morgens sehr früh aus dem Haus gehen müssen oder sehr unregelmäßige und/ oder lange Arbeitszeiten haben bzw. eine nachschulische Betreuung für Ihre Kinder suchen. Tagespflegepersonen sind in der Regel dann nicht selbstständig tätig, sondern von den Eltern beschäftigt (Arbeitsvertrag und Anmeldung über Minijobzentrale).
Alternativ ist es aber auch möglich, dass Tagespflegepersonen im Haushalt der Eltern auf selbständiger Basis tätig sind. Die Ausgestaltung der Tätigkeitsform (angestellt oder selbständig) obliegt beiden Vertragspartnern.


3. Ablauf der Vermittlung im FamilienBüro

Tagespflegepersonen, die entsprechend den Standards des DJI (Deutsches Jugendinstitut) qualifiziert sind, werden über das Familienbüro Region Lüneburg vermittelt.


Ansprechpartnerinnen sind:

Hansestadt Lüneburg
Angelika Kunkel Degele
Tel.: 04131/ 309-3302 oder 04131/ 309-4427
Email: Angelika.Kunkel-Degele@stadt.lueneburg.de

Landkreis Lüneburg
Tel.:
Email:

Die Vermittlung ist grundsätzlich kostenlos.

Um eine/n passende/n Tagesmutter/ Tagesvater zu finden, sollten Sie einen ausreichenden Zeitraum einplanen, damit genügend Zeit für eine möglichst passgenaue Suche und für die Eingewöhnungszeit Ihres Kindes vorhanden ist. Für diese Zeit der Eingewöhnung werden 2 bis zu 4 Wochen empfohlen.

Ihren individuellen Suchauftrag nehmen die Mitarbeiterinnen mit Hilfe eines Vermittlungsbogens im telefonischen Kontakt auf, jedoch können Sie auch gern einen persönlichen Beratungstermin im Familienbüro vereinbaren.

Entsprechend Ihrer Betreuungswünsche erhalten Sie als Vorschlag möglichst bedarfsgerechte Kontaktdaten von Tageseltern (in der Regel aus Datenschutzgründen zunächst die Tel. Nr.), soweit freie Plätze vorhanden sind. Sie vereinbaren dann ein persönliches Gespräch mit der Tagespflegeperson und können während des Erstgespräches einige für Sie wichtige Themen schon klären.

Entscheiden Sie sich für die vorgeschlagene Tagespflegeperson, schließen Sie miteinander einen privatrechtlichen Betreuungsvertrag, teilen dies bitte dem Familienbüro mit und die Suche ist beendet.
Sollte kein Betreuungsvertrag zustande kommen, wenden Sie sich auch wieder an das Familienbüro, um mögliche weitere Vorschläge zu erhalten.

Weiterhin finden Sie freie Plätze und Angebote in der Kindertagespflege (unabhängig von Ihrem Suchauftrag im Familienbüro) in dieser Betreuungsbörse unter Betreuung finden .

Qualifizierte Tagespflegepersonen mit gültiger Pflegeerlaubnis können nach Überprüfung Ihrer Berechtigung dort auf der Internetplattform der Region Lüneburg ihr Betreuungsangebot einstellen (zusätzlich zu ihren gemeldeten freien Plätzen im Familienbüro).

Natürlich ist es Ihnen als Eltern freigestellt, sich parallel privat umzuhören, zu inserieren oder sich in einer Krippe anzumelden. Wenn Sie für Ihr Kind außerhalb des Familienbüros eine geeignete Betreuungsmöglichkeit bei einer Tagespflegeperson gefunden haben, empfehlen wir, dass Sie sich die gültige Pflegeerlaubnis der Tagesmutter/des Tagesvaters zeigen lassen, denn nur unter dieser Voraussetzung übernimmt das Jugendamt die Bezuschussung.

Während des gesamten Suchprozesses nach einer Betreuung für Ihr Kind ist ein enger Austausch zwischen Ihnen und dem Familienbüro wichtig. Beachten Sie bitte, dass Ihr Suchauftrag solange im Familienbüro bestehen bleibt, bis Sie den Mitarbeiterinnen vom Familienbüro mitgeteilt haben, daß Sie selbst eine geeignete Betreuung gefunden, sich Ihre Wünsche geändert oder Sie keinen Bedarf mehr haben.


4. Erstgespräch mit der Tagesmutter/dem Tagesvater (gemeinsam mit Partner und Kind)

Auf das erste Gespräch mit der Tagesmutter/ dem Tagesvater können Sie sich mit den vorgeschlagenen Fragen vorbereiten. Sicher haben Sie auch noch weitere persönliche Anliegen. Ebenso ist aber auch wichtig zu überlegen, wie Sie sich selbst vorstellen, mit der Tagespflegeperson zusammenzuarbeiten.

Mögliche Fragen beim ersten Kennenlernen mit der Tagesmutter / dem Tagesvater


5. Eingewöhnung des Kindes

Der sanfte Übergang Ihres Kindes aus dem familiären Bereich in die Tagespflege ist von großer Bedeutung für die Entwicklung Ihres Kindes, sowie den weiteren Verlauf des Betreuungsverhältnisses.

Ziel der Eingewöhnung ist das gegenseitige Kennenlernen und ein stabiler Beziehungsaufbau zwischen Kind und Tagesmutter bzw. Tagesvater.

Diese Phase wird stufenweise gestaltet, angelehnt an das Berliner Modell nach John Bowlby, das vom Institut für angewandte Sozialforschung (INFAS) entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren praktisch angewendet wird. Es dient als Orientierungsrahmen für die Übergangszeit vom Elternhaus in die Kita für 3-6 Jährige, ist aber auch übertragbar auf Kinder im Krippenalter und in der Kindertagespflege.

Voraussetzung für ein Gelingen des Eingewöhnungsprozesses ist, dass das Bedürfnis des Kindes nach emotionaler Sicherheit und Bindung im Mittelpunkt steht. Es ist bei diesem wichtigen Entwicklungsschritt der Eingewöhnung auf Ihre Unterstützung angewiesen, Außer den Eltern können es auch andere vertraute Personen sein, mit denen das Kind besonders verbunden ist - die das Kind in dieser Zeit begleiten, wie z. B die Großeltern. Sie bieten die nötige Sicherheit beim Entdecken der neuen Umgebung, dem Kennenlernen der Tagesmutter/des Tagesvaters, des anderen Tagesablaufes und bei der Kontaktaufnahme zu den anderen Tageskindern. Wenn Ihr Kind sich durch Ihre Anwesenheit sicher fühlt, fällt es ihm leichter, in Ruhe Neues zu erkunden und sich auf seine Umgebung, sowie andere Personen einzulassen.

Nehmen Sie sich als Eltern ausreichend Zeit für diese Eingewöhnung, um Ihr Kind als sichere Basis in dieser Phase zu begleiten. Empfehlenswert ist eine Dauer von etwa 2 - 4 Wochen, wobei jedes Kind individuell reagiert und darauf von der Tagespflegeperson entsprechend Rücksicht genommen wird.

In Absprache mit der Tagesmutter/dem Tagesvater genügt es, wenn Sie zunächst gemeinsam nur kurze Zeit dort sind. Um eine Überforderung des Kindes zu vermeiden, sollten Sie in den ersten Tagen keinen Trennungsversuch machen, da diese Anfangszeit eine besonders wichtige Rolle spielt und nicht durch eine Trennung belastet werden sollte.

Über die weiteren Schritte und Abläufe wird Sie die Tagespflegeperson informieren und beraten, denn während des gesamten Prozesses findet ein enger Austausch zwischen Ihnen und den Tageseltern statt. Beim Kontaktaufbau wird die Tagesmutter/der Tagesvater auch Ihre Fragen und Befindlichkeiten als Eltern ernst nehmen, Ihnen verständnisvoll begegnen und Ihnen während dieser Zeit hilfreich zur Seite stehen. Dies legt die Grundlage für die weitere Kooperation miteinander. Informieren Sie hierbei die Tagesmutter/den Tagesvater auch über die bisherige Entwicklung Ihres Kindes, damit diese/r es besser kennenlernt.

Der erste Trennungsversuch zwischen Eltern und Kind sollte erst ab dem 4. Tag geschehen, wegen des dazwischen liegenden Wochenendes aber nicht an einem Montag. Die Reaktion Ihres Kindes darauf enthält wichtige Anhaltspunkte über die weitere Dauer und Gestaltung der Eingewöhnungszeit, worauf die Tagespflegeperson entsprechend eingehen wird. Sie wird sicher auch darauf hinweisen, dass es wichtig ist, dass Sie sich von Ihrem Kind jeweils verabschieden, wenn Sie gehen, selbst wenn es gerade in sein Spiel vertieft ist und es nicht gleich bemerken könnte.

Über die Erfahrung, dass die Eltern zwar gehen, aber auch wiederkommen und die Gewissheit, dass es wieder abgeholt wird, erlangt Ihr Kind sein inneres Gleichgewicht.

Stufenweise wird der Aufenthalt Ihres Kindes in der Tagespflege dann weiter gesteigert.

Die Eingewöhnungsphase kann als abgeschlossen betrachtet werden, wenn Ihr Kind die Zuwendung der Tagesmutter/des Tagesvaters annimmt. Das muss nicht heißen, dass Ihr Kind nicht mehr weint, wenn Sie gehen. Damit drückt es aus, dass es Sie lieber dabei hätte, und das ist sein gutes Recht. Es wird sich jedoch nach Abschluss der Eingewöhnungszeit von der Tagespflegeperson beruhigen und trösten lassen, wenn Sie gegangen sind.

Diese Phase kann als gelungen betrachtet werden, wenn Ihr Kind sich in der neuen Umgebung wohl fühlt und somit für eine gewisse Zeit auf die Eltern verzichten kann.


6. Betreuungsvertrag

Wenn Sie eine Tagesmutter/ einen Tagesvater gefunden haben, schließen Sie miteinander einen Betreuungsvertrag ab. Entweder haben die Tageseltern für Sie selbst Formulare vorrätig oder aber Sie können sich, da Sie einen privatrechtlichen Vertrag miteinander eingehen, im Internet kundig machen.
Dieser Vertrag ist die Grundlage für die Berechnung Ihres monatlichen Elternbeitrages. Den Beitrag zahlen Sie an das für Sie zuständige Jugendamt. Näheres hierzu erfahren Sie unter Punkt 8.


7. Fördervoraussetzungen

Voraussetzungen, sowie Einzelheiten zur Förderung von Kindertagspflege entnehmen Sie bitte der jeweiligen Satzung
(§2 und 3). Beachten Sie bitte, daß dort Monatsstunden stehen.

Satzung Hansestadt Lüneburg
Satzung Landkreis Lüneburg


8. Elternbeitrag

Der monatliche Beitrag an das Jugendamt für die Betreuung des Kindes errechnet sich entsprechend des jährlichen Brutto-Einkommens der beiden Eltern, abhängig vom Umfang der gewählten Betreuungszeiten (Satzung Hansestadt Lüneburg / Satzung Landkreis Lüneburg ). Grundlage ist der Betreuungsvertrag. Sobald Sie diesen mit der Tagespflegeperson abgeschlossen haben, setzen sie sich - entsprechend ihres Wohnortes - mit nachfolgenden Ansprechpartnern/Innen in Verbindung. Dazu benötigen Sie unten stehende Formulare und Ihre Einkommensnachweise. Tageseltern werden auf Ihren Antrag hin mit 3,90€ je Stunde pro Kind gefördert.

Antrag auf Übernahme der Kinderbetreuungskosten Hansestadt Lüneburg
Antrag auf Übernahme der Kinderbetreuungskosten Landkreis Lüneburg
Formular Betreuungszeiten Hansestadt Lüneburg
Formular Betreuungszeiten Landkreis Lüneburg

Hansestadt Lüneburg

Klosterhof
21335 Lüneburg
Zimmer 15

(Bearbeitung nach Buchstaben der Nachnamen der Tageseltern)

Michael Schmidt Tel.: 04131/309-3504 (Buchstabe A-N)
Michaela Heitbrock Tel.: 04131/ 309-3649 (Buchstabe O-Z)

Sprechzeiten: Mo. - Fr. (außer Do.) 8.00 - 12.00 Uhr


Landkreis Lüneburg

Auf dem Michaeliskloster 4
21335 Lüneburg
Gebäude 2 Eingang H Zimmer 213

(Bearbeitung nach Buchstaben der Nachnamen der Eltern)

Viviane Pauch Tel.: 04131-261773 (Buchstabe A-H)
Karin Joritz Tel.: 04131-261294 (Buchstabe I-S)
Dorothea Lopau Tel.: 04131-261398 (Buchstabe Sch, St - Z)

Sprechzeiten: Die., Do. und Fr. 8.00 - 12.00 Uhr sowie Di. und Do. 14.00 - 16.00 Uhr

Internetadressen:

www.familien-mit-zukunft.de FIN
(Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration)
→ Elterninformationen →K-O →K (Kindertagespflege)

www.dji.de (Deutsches Jugendinstitut)

www.bvktp.de Bundesverband Kindertagespflege

www.handbuch-kindertagespflege.de

www.familien-wegweiser.de

www.fruehehilfen.de

www.tagespflegebuero-nds.de

www.hessisches-kindertagespflegebuero.de

www.lueneburg.de/Kinderbetreuung

www.frühechancen.de


Beispiele Literatur:

Mielczarek, Die Eingewöhnung meines Sohnes bei seiner Tagesmutter, Interna Verlag
Laewen, Andres, Hédérvari, Die ersten Tage – ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Kindertagespflege, Cornelsen Verlag
Laewen, Andres, Hédérvari, Ohne Eltern geht es nicht, Cornelsen Verlag